Um den Krieg in der Ostukraine ist es still geworden. Keine Schlagzeile macht mehr auf ihn aufmerksam. Nur hin und wieder heißt es, der mit Minsk II vereinbarte Waffenstillstand sei „brüchig“. Geschossen wird weiterhin. Vor allem im Raum von Mariupol. Tag für Tag sterben dort ukrainische Soldaten. Immerhin sahen sich Merkel und Hollande veranlasst, wieder einmal mit dem Kremlherren zu telefonieren, um auf strikte Einhaltung des Minsker Abkommens zu drängen.
Wojciech Pięciak, Redakteur beim Krakauer Tygodnik Powszechny, berichtet von einer bislang unbeachteten, jedoch besorgniserregenden Erscheinung. Seit einiger Zeit kommt es immer wieder in von Kiew kontrollierten Gebieten zu Bombenattentaten und Sabotageakten. Allein Ende März, Anfang April explodierten Bomben im Büro freiwilliger Helfer in Odessa, am Sitz der Bezirksregierung in Dniepropietrowsk, im Zentrum von Charkow, im Rathaus von Zaporoż und selbst in Kiew vor einer Bank. Immer wieder gibt es in der Hauptstadt Bombenalarm, so dass Metrostationen evakuiert werden müssen. Der ukrainischen Abwehr gelang es, den einen oder anderen russischen Attentäter dingfest und damit den von Russland gesteuerten Terror öffentlich zu machen. Doch derlei Nachweise bedarf es im Grunde nicht, dokumentieren doch die russischen Täter zuweilen selbst ihre Aktionen im Internet.
Pięciak fragt, was wohl passieren würde, ginge in einer russischen Stadt eine Bombe hoch; etwa in Rostow am Don, dem logistischen Zentrum russischer Aggression in der Ukraine. „Wie würde Russland reagieren? Leicht vorhersehbar: Die Propaganda begänne eine große Kampagne. Die Ukraine würde als ein Staat vorgeführt, der Terrorismus verübt. Von der UNO, dem Westen und von wem sonst noch würde man eine Verurteilung Kiews fordern.“
Dass die ukrainische Regierung die in ihrem Land verübten Terrorakte nicht auf diese Weise ausnutzt, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass sie es mit weit größeren Problemen zu tun hat. „Doch warum schweigt der Westen?“ Diese Bombenattentate und Sabotageakte sind schließlich kein Kinderspiel. Sie verursachen „in der Gesellschaft Nervosität, Unsicherheit und Ermüdungserscheinungen, destabilisieren den Alltag und schrecken ausländische Investoren ab.“
Quelle: Wojcidch Pięciak, Rosja uprawia terror państwowy (Russland verübt Staatsterror), Tygodnik Powszechny 16/2015, S. 7.