Samstag, 4. Oktober 2014

Internetaktivisten nehmen Einfluss auf ARD



In einer historisch einmaligen Aktion reagierte im Juni 2014 der Programmbeirat der ARD auf eine Programmbeschwerde von Internetaktivisten, einem eingetragenen Verein mit Sitz in Leipzig, der sich „Ständige Publikumskonferenz“ nennt, und wirft der ARD in Bezug auf die Berichterstattung zur Ukraine-Krise „antirussische Tendenzen“ vor. Eine unabhängige Untersuchung der ARD-Berichterstattung war dazu gar nicht nötig: Man berief sich einfach auf die gesammelten „Beweise“ der Internetaktivisten. Diese behaupten, Fehler in der Berichterstattung gingen immer zulasten Russlands – offensichtlich haben sie „übersehen“, dass gerade in vielen Polit-Talkshows zum Thema zwar russische, nicht aber ukrainische Gäste saßen, oder dass lange die Falschmeldung kolportiert wurde, die NATO habe versprochen, niemals ehemalige Sowjetstaaten aufzunehmen. Nach solchen Fehlern sucht die „ständige Publikumskonferenz“, zu denen auch deutsche Alt-Linke gehören, eben erst gar nicht. Interessanterweise stammen die „Beweise“ von „antirussischen Tendenzen“ aus nur 40 von 800 Sendungen zum Thema Ukraine-Russland, wie SPIEGEL ONLINE berichtet. Auf ungeklärte Weise gelangen dann Auszüge des eigentlich internen Protokolls an die Öffentlichkeit  -  und seitdem wird dieses Thema in den Medien debattiert. Es bleibt zu hoffen, dass nun nicht bei manchem Journalisten die Selbstzensur einsetzt („Darf ich das so sagen / schreiben oder ist das antirussisch und ich bekomme eine Rüge?“), sondern dass nach wie vor die Freiheit der Medien gewahrt bleibt. Es verwundert, dass niemand die Frage stellt, wer die „Ständige Publikumskonferenz“ eigentlich finanziert? Der Vorsitzende des Programmbeirats äußerste sich gegenüber SPIEGEL ONLINE  dahingehend, dass ja auch die Kommentare der Leser in den Foren auf SPIEGEL ONLINE eine Übereinstimmung mit den Internetaktivisten gezeigt hätten. Doch wer hat die Zeit, solche Kommentare zu schreiben – abgesehen natürlich von den sogenannten Trollen, die auf Geheiß des Kremls solche Kommentare im Internet verfassen, und deren Aktivität seit dem Russland-Ukraine Konflikt eine Dimension erreicht hat. Siehe hierzu auch den Bericht im GUARDIAN.