In einer historisch einmaligen Aktion reagierte im Juni 2014
der Programmbeirat der ARD auf eine Programmbeschwerde von Internetaktivisten, einem
eingetragenen Verein mit Sitz in Leipzig, der sich „Ständige
Publikumskonferenz“ nennt, und wirft der ARD in Bezug auf die Berichterstattung
zur Ukraine-Krise „antirussische Tendenzen“ vor. Eine unabhängige Untersuchung
der ARD-Berichterstattung war dazu gar nicht nötig: Man berief sich einfach auf
die gesammelten „Beweise“ der Internetaktivisten. Diese behaupten, Fehler in
der Berichterstattung gingen immer zulasten Russlands – offensichtlich haben
sie „übersehen“, dass gerade in vielen Polit-Talkshows zum Thema zwar
russische, nicht aber ukrainische Gäste saßen, oder dass lange die Falschmeldung
kolportiert wurde, die NATO habe versprochen, niemals ehemalige Sowjetstaaten
aufzunehmen. Nach solchen Fehlern sucht die „ständige Publikumskonferenz“, zu
denen auch deutsche Alt-Linke gehören, eben erst gar nicht. Interessanterweise
stammen die „Beweise“ von „antirussischen Tendenzen“ aus nur 40 von 800
Sendungen zum Thema Ukraine-Russland, wie SPIEGEL ONLINE berichtet. Auf
ungeklärte Weise gelangen dann Auszüge des eigentlich internen Protokolls an
die Öffentlichkeit - und seitdem wird dieses Thema in den Medien
debattiert. Es bleibt zu hoffen, dass nun nicht bei manchem Journalisten die
Selbstzensur einsetzt („Darf ich das so sagen / schreiben oder ist das
antirussisch und ich bekomme eine Rüge?“), sondern dass nach wie vor die
Freiheit der Medien gewahrt bleibt. Es verwundert, dass niemand die Frage
stellt, wer die „Ständige Publikumskonferenz“ eigentlich finanziert? Der
Vorsitzende des Programmbeirats äußerste sich gegenüber SPIEGEL ONLINE dahingehend, dass ja auch die Kommentare der Leser
in den Foren auf SPIEGEL ONLINE eine Übereinstimmung mit den Internetaktivisten
gezeigt hätten. Doch wer hat die Zeit, solche Kommentare zu schreiben –
abgesehen natürlich von den sogenannten Trollen, die auf Geheiß des Kremls
solche Kommentare im Internet verfassen, und deren Aktivität seit dem
Russland-Ukraine Konflikt eine Dimension erreicht hat. Siehe hierzu auch den
Bericht im GUARDIAN.