Über den Kampf gegen die „ukrainischen Faschisten“ und die
Überlegenheit gegenüber dem Westen vergisst Putins Regime nicht die inneren
Feinde: NGOs, Medien und Internetaktivisten. Bereits seit Jahren erreichen uns
übrigens aus Russland Informationen über beschlossene und in Aussicht genommene
neue Gesetze – einschließlich der Überlegung, Russland vom internationalen
Internet gänzlich abzutrennen.
In der vergangenen Woche wurden die Anführer eines freien Denkens
von den Schlägen getroffen: der Verein „Memorial“ sowie die „Nowaja Gaseta“.
Seit Monaten kämpfte Memorial darum, nicht als „ausländischer Agent“ registriert
zu werden (die Auflage zur Übernahme dieser diskriminierenden Bezeichnung wurde
für Organisationen angeordnet, die Unterstützung aus dem Ausland erhalten).
Doch die Moskauer Richter hatten keinerlei Skrupel und entschieden unlängst,
dass die Organisation so registriert werden muss. Damit hat es noch nicht sein
Bewenden. Das Justizministerium beantragte zudem beim Obersten Gericht die
Liquidierung von Memorial. Als Grund gelten eine unklare Struktur des Vereins,
der Mangel an formalen Abteilungen in den Regionen et cetera. Doch es geht
nicht um Vorschriften – erfolglos fordert Memorial die Offenlegung der
rechtlichen Grundlagen des Antrags. Es geht darum, die Organisation mundtot zu
machen, die sich nicht nur mit der schwierigen Geschichte befasst, sondern auch
das im Blick hat, was sich im nördlichen Kaukasus abspielt. Das Gericht tagt am
13. November.
Seit Jahren versuchen die Behörden zudem, die „Nowaja Gaseta“
zum Schweigen zu bringen. Jetzt verwarnte die Medienaufsicht die Redaktion.
Ihrer Ansicht nach befasst sich diese mit der Propaganda des Extremismus. Es
ging u. a. um einen Artikel von Julia Latynina, die in ihrer Kritik der
Kulturpolitik des Kreml diese mit der Politik des Dritten Reiches verglich. Die
Redaktion tat diese Warnung mit einem Lächeln ab, nahm aber doch die
beanstandeten Fragmente des Artikels aus dem Netz. Sollte sich die Verwarnung
im laufenden Jahr wiederholen, kann die Medienaufsicht die Liquidierung der
Zeitung vor Gericht beantragen.
Es fragt sich, ob das Regime zunächst einmal mit dem Finger
droht oder ob es bereits die „Endlösung“ der Frage des freien Wortes in
Russland vorbereitet?
Quelle: Tygodnik Powszechny vom 19. Oktober 2014
Übersetzt von Dr. Theo Mechtenberg
Links:
http://dasostblog.blogspot.de/2014/11/putins-umgang-mit-dem-internet.html
http://dasostblog.blogspot.de/2014/10/auflosung-von-memorial.html
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