Mittwoch, 24. Dezember 2014

Der Absturz der MH–17 – Vertuschung und Lügengespinst. Von Dr. Theo Mechtenberg



Unter „Boeing-Fälschungen“ berichteten wir in „das ostblog“ im November von einer „Reportage“ im ersten Kanal des russischen Fernsehens, die beweisen sollte, dass die malaysische Boeing 777 MH – 17 mit 298 Insassen an Bord, unter ihnen 38 Australier, von ukrainischen Jagdmaschinen abgeschossen worden sei. Kurze Zeit später wurde diese „Reportage“ als Fälschung entlarvt.
Es war wohl kaum zufällig, dass diese Sendung unmittelbar vor dem australischen G–20 Gipfel ausgestrahlt wurde, an dem auch Putin teilnahm und vorzeitig abreiste. Die „Reportage“ verfolgte offenbar das Ziel, Putin auf dem Gipfel vor unangenehmen Nachfragen zu bewahren.
Neben dem in „Boeing-Fälschungen“ enthaltenen Quellenverweis ist auch „bellingcat.com“ erwähnenswert. Unter dieser Netzadresse veröffentlichte, wie im „Tygodnik Powszechny“ vom 23. November 2014 nachzulesen ist, eine von dem Briten Eliot Higgins geleitete Gruppe unabhängiger Journalisten eine Rekonstruktion dieses Verbrechens. Unter Auswertung der im Internet reichlich vorhandenen Bilder und Filme kommt sie zu dem Schluss, dass MH-17 von einer Luftabwehrrakete „Buk“ getroffen wurde. Sie sei von der in Kursk stationierten 53. Luftabwehrbrigade nach Donezk gebracht worden. Der Transport in der Zeit vom 23. Juni bis zum 17. Juli, dem Abschusstag, lasse sich durch das Fotomaterial vieler Beobachter lückenlos dokumentieren. Gleiches gelte für den Rücktransport der Batterie, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine Passagiermaschine und kein ukrainisches Militärflugzeug abgeschossen worden war.
Die Fälschung vor dem G-20 Gipfel ist das bislang letzte Glied in einer Kette von Vertuschungen und lügnerischen Behauptungen, mit denen Russland und die prorussischen Separatisten seit dem Tag des Abschusses der Boeing 777 die Weltöffentlichkeit wissen lassen möchte, die Ukraine trage die Schuld an dieser Katastrophe. Diese Kette beginnt damit, dass die Separatisten unabhängigen Beobachtern, darunter auch eine OSZE-Mission, mit Waffengewalt den Zutritt zur Absturzstelle verwehrten, was ihnen die Möglichkeit bot, belastendes Material beiseite zu schaffen. Gleichfalls der Vertuschung diente die Löschung der  im Internet sowie auf „V Kontakte“, dem russischen Facebook, verbreiteten Information, mit der sich die Separatisten rühmten, eine ukrainische Transportmaschine vom Typ An 26 abgeschossen zu haben, und die sie dann schnellsten beseitigten, nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine Passiermaschine getroffen worden war.
Nach den Vertuschungen kamen die Lügen. Und diese gleich in mehreren Versionen: Die Maschine sei nicht im Raum Donezk, sondern in er Nähe der von Ukrainern kontrollierten Stadt Dnjepropetrowsk abgeschossen worden; die Separatisten unterstellten dabei den Ukrainern, sie hätten eigentlich die Maschine treffen wollen, mit der Wladimir Putin an diesem Tag von seiner Südamerikareise nach Moskau zurückgekehrt sei; besonders absurd die Aussage vom russischen Geheimdienstoffizier Igor Girkin, mit dem Pseudonym „Striełkow“, dem selbsternannten „Verteidigungsminister der „Republik Donezk“, im Portal „Rosyska Wiosna“ (Russischer Frühling), es habe sich um eine medizinische Maschine mit Leichen gehandelt; Putin selbst meinte: Wenn die Maschine in der Ukraine abgestürzt sei, dann trage sie auch die Verantwortung dafür – ein Bumerang-Argument, denn nach dieser Logik träfe Russland die Schuld an der Katastrophe von Smolensk, bei der am 10. April 2010 die polnische Regierungsmaschine mit Präsident Lech Kaczyński und weiteren 95, zumeist hochrangigen Opfern verunglückt war.
Dieses Lügengespinst hat im Westen seine Wirkung nicht verfehlt. Bis heute gibt es für den Absturz der MH-17 keine unzweideutige Schuldzuweisung an Russland und die prorussischen Separatisten, geschweige denn Entschädigungsforderungen.
Benutzte Quelle: Paweł Pieniążek, Rosyjskie śledztwo nie będzie uczciwe (Die russische Untersuchung wird nicht ehrlich sein), Tygodnik Powszechny vom 27. Juli 2014.