Von einem eventuellen Widerstand gegen die russischen Kräfte und "prorussischen Separatisten" in der von ihnen regierten „Republik Donezk“ dringt kaum etwas an
die Öffentlichkeit. Und doch scheint es ihn zu geben. Ein Beispiel lieferte der
Künstler Serhij Zacharow. Im kleinen vertrauten Kreis erwuchs der Gedanke,
gegen die neuen Herren in Form von Karikaturen zu protestieren.
Also machte sich Zacharow an die Arbeit. Er erstellte insgesamt
zehn Karikaturen, die er in seiner Werkstatt fertigte, um sie in Blitzes Eile
im Zentrum der Stadt anzubringen und von einem Kollegen fotografieren zu
lassen.
Die wohl ausdruckstärkste Karikatur betrifft Igor Girkin, einen
russischen Geheimdienstoffizier, der in Donezk als Verteidigungsminister
fungiert. Sein Bildnis erschien an einer Wand, die Pistole an der Schläfe, mit
dem Werbeslogan „Just do it“ versehen. Lange konnten seine Werke nicht
betrachtet werden. Einige beseitigte man bereits nach 30 Minuten, andere waren
zwei Tage lang zu sehen. Aus einem Versteck beobachtete Zacharow die
überwiegend positive Reaktion der Passanten. Er konnte mit seiner Aktion
zufrieden sein, zumal die Karikaturen nach Kiew gelangten und dort in den
Medien veröffentlicht wurden.
Aber Zacharow bezahlte für seinen Widerstand einen hohen
Preis. Am 6. August 2014 wurde er auf offener Straße verhaftet, in einen
Kofferraum verfrachtet und zum Sitz des von russischen Spezialkräften
kontrollierten Sicherheitsdienstes gebracht. Damit begann für ihn eine Leidenszeit:
Verhöre, Schläge, drei Scheinexekutionen. Zehn Tage lang war er an einen Mithäftling,
einen ukrainischen Soldaten, gefesselt. Wie siamesische Zwillinge schliefen und
aßen sie gemeinsam, ging zusammen auf die Toilette. Dann holte man ihn aus der
Zelle und befahl ihm, einen Wagen mit Tarnfarben zu versehen. Nach getaner
Arbeit ließ man ihn überraschender Weise frei.
Doch die Freiheit währte nur wenige Stunden. Als Sacharow am
folgenden Tag am Sitz des Sicherheitsdienstes seine Dokumente zurück haben
wollte, sperrte man ihn erneut ein. Nach drei Wochen Einzelhaft wurde er im
Hotel Liverpool, dem lokalen russischen Hauptsitz, als Küchenhilfe eingesetzt. Nach
zwei Wochen gewann er durch Vermittlung einer ranghohen Persönlichkeit, deren Namen er aus
Sicherheitsgründen geheim hält, ein weiteres Mal die Freiheit. Diesmal floh er
ohne Verzug nach Kiew.
Quelle:
Paweł Pieniążek, Banksy z Doniecka ( Ein Banksy aus Donezk) Tygodnik Powszechny
vom 30. November 2014, S. 44-46.