Kurz vor Weihnachten 2014 tauchten in der nahe Krakau
gelegenen Stadt Dobczyce, dem Wohnsitz von Marcin Rey, Flugblätter mit seinem
Foto, seiner Adresse und Telefonnummer auf. Sie enthielten die unwahre Behauptung,
Rey sei in Frankreich, wo er aufgewachsen war, wegen der Vergewaltigung zweier
Mädchen, Eura und Asia, verurteilt worden. Den Verfassern der Flugblätter ging
es mit der Wahl dieser Namen, die es im Französischen gar nicht gibt, offenbar
um das Kompositum Eurasien und damit um den kaum verdeckten Hinweis auf die
Macht Russlands. Doch damit nicht genug: Die Ortschaft, in der angeblich Rey
das Verbrechen verübt haben soll, ist mit „Giwi“ angegeben. Eine Stadt dieses
Namens gibt es gleichfalls in Frankreich nicht, wohl aber ist „Giwi“ das
Pseudonym eines in der Ostukraine kämpfenden russischen Befehlshabers. Und mit
„Motorola“ enthält das Flugblatt ein weiteres derartiges Pseudonym.
Bei dem auf diese Wese attackierten Rey
handelt es sich um einen polnischen Übersetzer, der sich, proukrainisch
eingestellt, publizistisch gegen die russische Aggression in der Ukraine
wendet. Er ist u. a. an der internationalen Aktion „Mistrale NICHT für Putin“
beteiligt, mit der die Auslieferung des in Frankreich gebauten Hubschrauberträgers
an Russland verhindert werden soll. Mit seinen Aktivitäten geriet er offenbar
ins Visier des russischen Geheimdienstes, der ihn mit diesem Flugblatt nicht
nur verleumdet, sondern ihm auch eine kaum verdeckte Drohung zukommen ließ.
Ähnliche Diffamierungen von Kreml-Kritikern gibt es auch
anderswo; so in Kiew gegen den dort wohnenden deutschen Historiker Andreas
Umland sowie gegen den bekannten russischen Blogger Rustem Agadomow, der 2012
die Moskauer Proteste gegen eine neuerliche Machtübernahme Putins mit
organisiert hat und nun aus Angst vor Repressalien nach Prag geflohen ist.
Quelle: Marcin Żyła, Metody FSB w Polsce, Tygodnik Powszechny
vom 4. Januar 2015, S. 6.