Sonntag, 15. Februar 2015

Verleumdung als russische Geheimdienstmethode (übersetzt von Dr. Theo Mechtenberg)



Kurz vor Weihnachten 2014 tauchten in der nahe Krakau gelegenen Stadt Dobczyce, dem Wohnsitz von Marcin Rey, Flugblätter mit seinem Foto, seiner Adresse und Telefonnummer auf. Sie enthielten die unwahre Behauptung, Rey sei in Frankreich, wo er aufgewachsen war, wegen der Vergewaltigung zweier Mädchen, Eura und Asia, verurteilt worden. Den Verfassern der Flugblätter ging es mit der Wahl dieser Namen, die es im Französischen gar nicht gibt, offenbar um das Kompositum Eurasien und damit um den kaum verdeckten Hinweis auf die Macht Russlands. Doch damit nicht genug: Die Ortschaft, in der angeblich Rey das Verbrechen verübt haben soll, ist mit „Giwi“ angegeben. Eine Stadt dieses Namens gibt es gleichfalls in Frankreich nicht, wohl aber ist „Giwi“ das Pseudonym eines in der Ostukraine kämpfenden russischen Befehlshabers. Und mit „Motorola“ enthält das Flugblatt ein weiteres derartiges Pseudonym.
Bei dem auf diese Wese attackierten Rey handelt es sich um einen polnischen Übersetzer, der sich, proukrainisch eingestellt, publizistisch gegen die russische Aggression in der Ukraine wendet. Er ist u. a. an der internationalen Aktion „Mistrale NICHT für Putin“ beteiligt, mit der die Auslieferung des in Frankreich gebauten Hubschrauberträgers an Russland verhindert werden soll. Mit seinen Aktivitäten geriet er offenbar ins Visier des russischen Geheimdienstes, der ihn mit diesem Flugblatt nicht nur verleumdet, sondern ihm auch eine kaum verdeckte Drohung zukommen ließ.
Ähnliche Diffamierungen von Kreml-Kritikern gibt es auch anderswo; so in Kiew gegen den dort wohnenden deutschen Historiker Andreas Umland sowie gegen den bekannten russischen Blogger Rustem Agadomow, der 2012 die Moskauer Proteste gegen eine neuerliche Machtübernahme Putins mit organisiert hat und nun aus Angst vor Repressalien nach Prag geflohen ist.

Quelle: Marcin Żyła, Metody FSB w Polsce, Tygodnik Powszechny vom 4. Januar 2015, S. 6.